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Betteln und Sammeln verboten?

Posted by Andreas Schiro - 25/11/2011

Glossiert – Bahnreisende kennen sie. Sie kommen meist unerwartet, wollen einen Euro, manchmal sogar zwei, eine Fahrkarte nach Mönchengladbach oder Pfandflaschen. Sie gehen geduldig meist freundlich, nur selten agressiv und das meist auch nur wenn sie mal wieder angepöbelt werden die Wartenden am Bahnsteig ab. Immer denselben Satz auf den Lippen, der für jeden von Ihnen zur seltsamen Visitenkarte wird. Anders das „Einsatzgebiet“ der Pfandjäger. Diese betteln nicht, sie durchsuchen ungerührt die Mülleimer. Egal, ob unter beobachteten Blicken oder nicht. Einige huschen durch wartende Züge in der Hoffnung in einem der noch so kleinen Abfallbehälter leere Dosen oder Flaschen zu ergattern, die der Vorgänger vor zehn Minuten übersehen hat. Schnell, denn wenn der Zug abfährt haben Sie keine Fahrkarte. Die meisten. Andere wiederum haben das Geschäft mit dem Pfand derart optimiert, dass sie mit Monatskarten arbeiten. Sie arbeiten sich mit stoischer Ruhe durch die Wagen, greifen wortlos über die Reisenden hinweg zum Platzpapierkorb. Notfalls mit Gewalt. Und können nicht verstehen wenn jemand, der im Weg sitzt behauptet, in dem Behälter sei nichts drin. Der Sammler will sehen, der andere nicht zeigen. Das ist der Moment in dem die Spannung zu fühlen ist. Nicht selten stehen die Kontrahenden kurz vor einer Schlägerei. Wegen einer Pfandflasche für 25 Cent, die wahrscheinlich gar nicht da ist.

Was ist das für eine schleichend gewachsene „Kulur“? Die wirklich armen Schweine sind von denen, die sich hier ein Zubrot verdienen kaum mehr zu unterscheiden. Eigenen Angaben zufolge „bringt“ ein Arbeitstag an der Pfandflaschenfront bis zu 90 Euro. An normalen Tagen. Karneval und nach Bundesligaspielen explodieren die schwarzen Umsätze. Mittlerweile, so erklärt der auskunftsfreudige Sammler, wären aber so viele „Mitbewerber“ unterwegs, dass es schwerer wird, „gutes Geld“ zu machen. Die Obdachlosen seien in der Minderzahl, sie seien einfach zu schlecht organisiert. Ihnen habe man das Schnorren überlassen.

Eine exotische Form der Bahnsteig-Geschäftemacher gibt es seit einigen Monaten in Düren. Hier wird mit Tageskarten gehandelt. Aber nicht wie beim Krämer um die Ecke, der seine Ware brav vom Großhandel bezieht. Geschnorrt werden diese Karten von Reisenden, die den Fahrausweis nicht mehr brauchen. Da dieser aber noch gültig ist, kann man ihn, da umsonst bekommen, günstig weiter verscherbeln.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Mitleid haben soll, es als legitimes Geschäft werten muss (mal abgesehen von den nicht versteuerten Einnahmen) oder die sehr oft übelriechenden und in ihrer Vielzahl lästigen Störenfriede einfach nur hassen darf.

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